Geschichte des Kunstradfahrens

Ab 1860 verbreitete sich das Hochrad, mit dem sogar vereinzelt Rennen veranstaltet wurden. Da die Tretkurbel mit der Achse des Vorderrades verbunden war, konnte die Geschwindigkeit nur durch die Vergrößerung des Vorderrades erhöht werden. Jedoch war es sehr unbequem und gefährlich mit den bis zu drei Meter hohen Rädern zu fahren.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Kettenantrieb entwickelt, welcher die Entstehung des Niederrades ermöglichte.

Da das Hochrad bis 1895 mehr und mehr verschwand und das artistische „Saalfahren“ bekannter wurde und mehr Zuwachs bekam, werden die Jahre 1895 bis 1900 als die Geburtsjahre des Kunstradfahrens bezeichnet.

Aus verschiedenen Überlieferungen geht hervor, dass bereits vor der Jahrhundertwende Kunstradsport in den USA von Radakrobaten wie Nikolas Edward-Kaufmann und John Featherly mit dieser Sportart ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Aus den Informationen geht auch hervor, dass die beiden die Urheber des ersten Radballspiels am 14.09.1893 in Rodchester in den USA waren.

Ab 1921 wurde das bis dahin übliche Schaufahren größtenteils von Wettkämpfen ersetzt, was es dem Deutschen Radfahrer Verband (seit 1946 Bund Deutscher Radfahrer) möglich machte, deutsche Meisterschaften auszutragen, die nur 1944 bis 1946 ausfallen mussten.

Da nach dem zweiten Weltkrieg das Kunstradfahren immer beliebter wurde, können seit 1956 Weltmeisterschaften ausgetragen werden.

Mit dem Eintritt des Bund Deutscher Radfahrer in die Union Cycliste International (UCI) war der Grundstein für ein international geltendes Reglement gelegt. Gleichzeitig konnten die Wettkämpfe weiter ausgebaut werden, wodurch unter anderem die Popularität des Sportes weiter stieg und das Kunstradfahren immer mehr Zuwachs bekam. Ein Höhepunkt waren die deutschen Hallenradsportmeisterschaften 1961 in Karlsruhe, welche hinsichtlich Leistungen, Organisation und Stimmung alle bisherige Ereignisse übertrafen.

 

Bis 1971 wurde der Hallenradsport wettkampfmäßig nur in Mitteleuropa betrieben. Heute ist er auf fast allen Kontinenten vertreten. Die Deutschen sind jedoch noch immer in nahezu jeder Disziplin des Kunstradfahrens dominierend.

Die geographischen Schwerpunkte der Sportart sind in erster Linie im deutschsprachigen Europa wie Deutschland, Schweiz, Österreich, Belgien, Frankreich und großen Teilen Tschechiens zu finden. Allerdings hat gerade in den letzte Jahren der ostasiatische Raum mit den Nationen Japan, China, Hongkong, Makao, Malaysia etc. nachgezogen. Gerade in dieser Region scheint sich insgesamt der Hallenradsport stärker zu entwickeln als in Europa.

In den Disziplinen 1er und 2er Kunstradsport der Männer bzw. Frauen werden Weltmeistertitel und im Juniorenbereich Europameistertitel vergeben. Darüber hinaus werden in Deutschland, der absoluten qualitativen und quantitativen Hochburg des Kunstradsports, nationale Meisterschaften im 4er und 6er Kunstradfahren der Männer und Frauen bzw. im 4er und 6er Einradfahren der Männer und Frauen ausgetragen. Die Meisterschaften werden auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene , in den Kategorien Elite (Männer und Frauen), Junioren/Jugend (männlich/weiblich) sowie Schüler und Schülerinnen ausgetragen.

In ca. 1.500 Vereinen sind zur Zeit etwa 10.000 Hallenradsportler (Kunstradsport und Radball/Radpolo) lizensiert und nehmen aktiv am Wettkampfbetrieb teil. An den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften, die u.a. 1993 in Hongkong und 1996 in Malaysia stattfanden, nehmen jeweils zwischen 20 und 25 Nationen teil. Sportlich beherrschen die deutschen Hallenradsportler die Szene sehr stark. Seit 1964 konnten sie bei den Weltmeisterschaften nicht weniger als 101 Gold-, 87 Silber- und 28 Bronzemedaillen gewinnen. Die Erfolgsquote möglicher Medaillen liegt dabei weit über 90%.